Heimat
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Ein Fotograf findet seine Heimat

1991 schob ich erstmalig ein Lichtbild über das andere, und die Veränderung der Wirklichkeit begann. Meine klassischen Fotografien aus zehn vorangegangenen Jahren waren gestaltendes Material, wurden zu Farben und Pinsel. Ich hatte das Gefühl, jetzt erst Schöpfer zu sein. Der Fotograf, der ich ansonsten war, durfte den Platz einnehmen, an dem er sich wohl fühlte: als Handwerker.

Das Neue, das ich nun fertigte, war zerbrechlich und charakterstark. Die Bilder erfüllten eine Sehnsucht meiner bisherigen Fotografie: Menschen öffneten sich, Gegenstände durften sprechen.

Zugrunde liegt den Fotos die Technik des Sandwich-Dias. Sie ist eine klassische Randdisziplin der Fotografie, nahe der Collage: Zwei oder mehr Dias werden übereinandergeschoben. Sie ergänzen sich zu einer neuen Aussage.

Die mir bekannten Künstler arbeiten dabei mit Vorüberlegungen und präziser Ausführung eines Plans. Ich schaffe stattdessen aus einer Sintflut von Dias heraus, mit Zufall, Eselsgeduld, Liebe und Instinkt.


Die eigenen Ergebnisse empfinde ich als brachialer, tiefer und freier, als ich es anderswo je sah. In dieser Bilderwelt habe ich als Fotograf "Heim und Herd" gefunden.

Hier auf der Seite liegt das Gesicht des Autoren noch bläulich im Halbdunkel, wie es dem Licht vor dem Schaufenster des Kaufhauses Breuninger in Stuttgart 1991 entsprach. Bei einer Wiederbelebung des Bildes wurde unser Autor farblich aufgehellt und zum Mosaikbild verfremdet: Ein Gesicht aus vielen Kleinfotos, um das herum bunte noch zu greifende Ungenauigkeiten wirbeln.